Hausrundgang

Im Inneren des Herrenhauses ist die Raumaufteilung nur im Mitteltrakt regelmäßig: in der Mitte der zum Gutshof hingewandten Seite die Eingangshalle, in der Mitte der Gartenfront der Gartensaal. Neben der Eingangshalle befindet sich der Raum, der das geräumige Treppenhaus aufnimmt. Neben dem Gartensaal befinden sich zwei weitere Säle. Der Grüne Salon und der Pinnower Salon. Im nördlichen Flügel befinden sich die Wirtschaftsküche und der mit Kreuzgratgewölben überwölbte Keller, über ihnen ein niedriges Mezzaningeschoß. Im oberen Geschoß durchläuft das Haus in seiner ganzen Länge ein Mittelflur, der im Südtrakt in einem größeren Mittelsaal mündet.

Nordflügel

Bei dem Nordflügel des Herrenhauses handelt es sich um den Rest eines alten Ritterturms. Der Nordflügel liegt um 0,56 m niedriger als der restliche Bau. Die nordöstliche Hälfte des Erdgeschosses ist mit vier Kreuzgratgewölben versehen. Die Anordung der Gewölbefelder erfolgte nach dem gebundenen System der Romanik, d.h. vier gleichgroße Gewölbefelder bilden durch eine gemeinsame Mittelstütze einen Raum. Die Wandflächen sind teilweise vermauert, da diese Räume als Ersatz für fehlende Unterkellerung umgestaltet sind. Ursprünglich waren die Seitenflächen offen und die Gewölbekonstruktionen diente lediglich als Untergeschoß des Wohnturms.

Unmittelbar über diesem Gewölberaum befindet sich das Mezzaningeschoß. Dieses dürfte ursprünglich die Ritterstube gewesen sein. Die Räume des Mezzaningeschosses sind heute noch durch eine Treppenanlage mit Podest zu erreichen und wurden im Jahre 2001 zu einer großzügigen Ferienwohnung umgebaut (vgl. Ferienwohnungen). Diese Räume haben im 18. Jahrhundert sicherlich als Schlafraum für Küchenpersonal gedient. Die Treppenanlage sieht auch einen Zugang zum mittleren Fenster der Nordfassade vor. Ehemals sorgte eine einziehbare Leiter zur Abwehr ungebetener Gäste.

Der westliche Teil des Nordflügels wird von der großen Küche eingenommen. Diese hatte früher eine Höhe bis zur Zimmerdecke des Mezzaningeschosses und beherbergte die große Feuerstelle.

Der Gartensaal

Der zur Parkseite in der Mittelachse des Hauses gelegene Gartensaal ist über einem zum Teil holzverkleideten weißen Sockel an den drei Innenwänden mit großen bunten Bildertapeten geschmückt. Diese Tapeten stammen aus dem Tapetenatelier Dufour & Leroy, Paris. Joseph Dufour brachte die aus 25farbigen Streifen bestehende Panoramatapete 1825 heraus. Dufour benötigte für die Herstellung dieser aufwendigen papierenen Wandbekleidung 85 Farben und 2027 Druckformen.

An drei Wänden angebracht, erzählt sie von den Abenteuern des Odysseus-Sohnes Telemach auf der Insel der Nymphe Kalypso. Die einst politische Brisanz des vom französischen Erzbischof Francois de Salignac "Les aventures de Télémaque" ist hier allerdings weitgehend ausgeklammert. Szenenfolge: Opfer und Tanz der Nymphen. Die Schiffbrüchigen Mentor und Telemach werden von Kalypso empfangen. Telemach erzählt vor Kalypso seine Abenteuer. Venus bringt Kubido zu Kalypso. Jagd von Telemach und Eucharis. Kalypso entdeckt Telemachs Leidenschaft für Eucharis. Die Nymphen verbrennen das von Nestor erbaute Schiff; Nestor stößt Telemach ins Meer.

Die Szenen sind als kleine Staffagen in riesige antikisch-heroische Landschaften gestellt, in denen das Hellblau von Himmel und Meer mit blaugrünen Baumgruppen vorherrscht. Die fraisefarbenen Architekturen einer Akropolis mit Palast, Bastion, Freitreppe und Gloriette sowie mehrerer Tempel und eines Monopteros und die zum Teil orangeroten Staffagefiguren in ihrer kühlen Buntfarbigkeit geben dem Saal ein festlich bewegtes Gewand.

Über den Türen Tapeten - Supraporten der gleichen Zeit: Galante Herren und Damen im Park besteigen einen Nachen; die Kostüme wie bei Bühnendekorationen der Romantik im Stil der italienischen Hochrenaissance und der Caravaggiozeit; die Damen im Directoirekostüm, dazu ein venezianischer Gondoliere. Geteilt in zwei Szenen; eine Dame im Park mit großem befedertem Florentiener Hut, mit der Laute bei der Wiege singend, und: eine Dame im Park mit Blütenkranz im Haar, die ihr Kind nährt; dazu Vogelbauer, spielende Katzen und blühende Malven. Eigentanzende Mädchen in antikischem Gewande, denen ein Hirt zuschaut.

Die Stuckdecke des Gartensaals ist reich verziert. Dabei handelt es sich um eine Variation von Regence und Rocaille mit zierlich und zart geschwungenem Detail. Eine reiche Profilleiste trennt die breite, flache Voutenzone vom rechteckigen Mittelfeld; rundes Mittelstück mit Gitter- und Bandelwerk, Fledermausflügeln und Hängeblümchen; in den Ecken Gitterwerk und regelmäßige Rocailleschwünge; an den Stirnseiten asymmetrisch geschwungene Blumenvasen mit Masken, Federn usw. über Bandelwerk; in der breiten Voute Gitterwerk, Muscheln, Papageien, Ranken; in den Ecken asymmetrisches Rocaille, Blumen, Strahlen, usw., auch zwei fast freiplastische Putten.

Die Ofennische in der Ecke schließt mit einem rundbogigen Muschelgewölbe; darüber Rocaille, Blumenranken und Theatermaske, von einer freiplastischen Blumenvase gekrönt. Zwischen den Fenstern befinden sich zwei schmale rechteckige klassizistische Spiegel, mattweiß mit Goldleiste (Blattfries), an den Ecken Sonnenblumen auf blauem Grund. Darüber ein Attikafeld mit zierlich geschnitztem Rankenornament, darin je ein kleines Oval mit Grisaillemalerei auf Blau: flötender Putto auf Löwe reitend.

Der grüne Salon

Das südlich vom Gartensaal benachbarte Zimmer, genannt der grüne Salon, ist mit Boiserieen reich ausgestattet. Das Schnitzwerk liegt auf resedagrünem Grund im Régancestil mit Rokokoelementen. In den Supraporten befindet sich Gitterwerk in symmetrischen Kartuschen. In den schmalen Wandfeldern befindet sich ebenfalls Gitterwerk. Gegenüber der reich verzierten Stuckdecke im Gartensaal handelt es sich im grünen Salon um eine eher schlichte Stuckdecke. In den Ecken sieht man symmetrisches Bandelwerk, Gitterwerk, und Hängeblümchen, welches sich über der Ofennische etwas reicher im Rocaille auslädt.

Das Treppenhaus

Das Treppenhaus, nördlich der Eingangshalle, hat eine großzügige Treppe in dreifach abgesetztem Lauf, deren Geländerbrüstung beiderseits in besonders reichem Schnitzwerk im Régancestil ausgeführt ist; durchbrochenes Gittter mit Bandelwerk, Gitterwerk und Hängeblümchen und gelegentlich Rocailleansätzen.